Gewalt im Kindertagesheim

Gewalt im Kindertagesheim

Im Folgenden wird ein Einblick in die Situation des Sozialpraktikums im Kindertagesheim Maria-Louisen-Straße gegeben. Das Gewicht liegt auf den Beobachtungen von Aggression, es wird aber zugleich ein Gesamtbild der Situation im Kindertagesheim gegeben, da die einzelnen Handlungen nur im sozialen Kontext sinnvoll betrachtet und bewertet werden können.
Eine Besonderheit während des Sozialpraktikums war, dass die Kinder während der ersten drei Wochen meiner Praktikumszeit in Containern im Stadtpark untergebracht waren, da das eigentliche Gebäude renoviert wurde. Während der Zeit in den Containern waren die Kinder somit auf engem Raum zusammen. Es gab nur drei kleine Aufenthaltsräume; einen Werkraum, einen Raum für die jüngeren Kinder und einen allgemeinen Aufenthalts- und Essensraum. Der Werkraum wurde selten genutzt. Die jüngeren Kinder, etwa zwischen 5 und 8 Jahren, hatten kaum Kontakt zu den älteren Kindern zwischen 9 und 15 Jahren.
Bei der Betreuung war ich den Großteil der Zeit mit der Gruppe von älteren Kindern beschäftigt. Diese Gruppe bestand aus etwa zehn Jungen und fünf Mädchen. Hiervon stammten sieben Kinder aus ausländischen Familien, unter anderem auch Hasan*.
Im Hinblick auf Aggression in dieser Gruppe hatte ich den Eindruck, dass es eine durchschnittliche Gruppe war, aus der nur Hasan* als besonders aggressiv hervorstach. Ein anderer Junge war allerdings in medikamentöser Behandlung, ohne welche er nach Angaben der anderen Betreuer sehr oft aggressive und unkontrollierbare Ausbrüche bekommen hatte. Da es sich hierbei anscheinend um eine Krankheit handelte und ich den Jungen nur als sehr ruhig kennen gelernt habe, soll auf seinen Fall hier nicht näher eingegangen werden.
Aufgrund der von mir beobachteten Aggressionsformen unterteile ich die Kinder im Kindertagesheim in folgende Gruppen:

1. die Mädchen (8, 9, 12, und zwei waren 13 Jahre alt)
2. etwa zehn jüngere Jungen zwischen 10 und 13 Jahren
3. die drei älteren Jungen zwischen 14 und 15 Jahren und
4. Hasan* (14 Jahre).

Die Mädchen

Die Mädchen stellten eine sehr ruhige Gruppe dar. Auf den ersten Blick schien nur wenig Aggression von ihnen auszugehen, aber ich stellte fest, dass diese nur weniger offensichtlich war als die der Jungen. Feststellen konnte ich hauptsächlich folgende Erscheinungsformen:

1. Schlagen, aber fast ausschließlich als symbolische Geste auf den Arm, ohne wirklich wehtun zu wollen,
2. den anderen etwas vorzuenthalten (z.B. unter dem Motto „Das gebe ich dir jetzt nicht, weil du blöd bist/gemein warst“ oder auch ohne Erklärung oder ersichtlichen Grund)
2. verbale Sticheleien und Gemeinheiten (z.B. über Aussehen, Kleidung, Schultasche etc.)
3. Beschimpfungen (z.B. „Arschloch“ und „blöde Kuh“)
4. Ignorieren
5. Lästern und Schlechtmachen bei/vor anderen und
6. Zerstören oder Beschädigen des Eigentums der anderen (z.B. Stifte abbrechen oder gemalte Bilder (angeblich) versehentlich mit Wasser beklecksen).

Mehrere und häufig auch alle dieser aggressiven Verhaltensweisen konnte ich täglich beobachten. Die Mädchen haben sehr viel miteinander geredet, wobei die aufgeführten Verhaltensweisen fast nie zu einem Ende des Kontakts miteinander führten. Vielmehr erschienen sie wie akzeptierte Verhaltensmuster in der Gruppe, wobei jede je nach Position in der Gruppe bestimmte Aggressionen austeilen konnte und wiederum andere Aggressionen „einstecken“ musste. Interessant erschien mir besonders, dass viele von mir als Aggression empfundene Verhaltensweisen schon als so normal empfunden wurden, dass sie anscheinend den Effekt einer aggressiven Verhaltensweise einbüßten. Ein Satz wie „Du bist ja eh blöd“ schien von den Kindern beispielsweise genauso interpretiert zu werden wie andere Leute den Satz „Das will/finde ich nicht“ verstehen würden, also als normale Aussage.

Die Jungen zwischen 10 und 13 Jahren

Diese Gruppe der Jungen war, wie ich mit Überraschung feststellte, am wenigsten aggressiv. Sie haben am meisten miteinander gespielt und gearbeitet, Interesse an konstruktiven Aufgaben gehabt und sich auch bei Problemen geholfen ohne den anderen dabei zu deklassieren. Gelegentlich konnten aber auch hier folgende aggressive Verhaltensweisen beobachtet werden:

1. Schlagen (z.B. leichtes Boxen auf den Arm)
2. Beschimpfungen (z.B. „Penner“ und „Idiot“) und
3. Zerstören oder Beschädigen des Eigentums der anderen.
4. Es sind hierbei nicht nur sehr wenige verschiedene Verhaltensweisen, sondern diese Verhaltensweisen sind auch wesentlich seltener aufgetreten als bei den anderen Gruppen. Sie traten fast ausschließlich nach einer Provokation auf, wobei auffällig war, dass leichtes Boxen oder die (sehr seltene) Beschädigung von Eigentum anderer fast nie gegen die älteren Jungen gerichtet wurde.

Die Jungen zwischen 14 und 15 Jahren

Diese Gruppe zeigte ein Verhalten, was nach den Aussagen verschiedener Autoren über diese Altersgruppe von männlichen Jugendlichen typisch ist. Sie zeigte die größte Neigung zu aggressiven Verhaltensweisen, die ich im Kindertagesheim beobachten konnte. Hierbei waren nicht so sehr die verschiedenen Handlungsweisen als vielmehr die Häufigkeit und das Ausmaß der Vorfälle ausschlaggebend. Vornehmlich konnten folgende Aggressionshandlungen beobachtet werden:

1. Schlagen und Treten von anderen Kindern dieser und gelegentlich auch von Kindern aller anderen Gruppen. Dies führte zum Teil zu Verletzungen wie „blauen Flecken“ und Abschürfungen und meist auch zum Weinen des Opfers.
2. Schubsen, Bein stellen und indirekte körperliche Angriffe wie z.B. einen nassen Schwamm oder etwas Spitzes auf den Sitz legen. Dies führte zu ähnlichen Verletzungen wie beim Schlagen und Treten und immer zum Weinen des Opfers.
3. Zerstören oder Beschädigen vom Eigentum der anderen.
4. Beschimpfungen, insbesondere aus der Fäkalsprache (z.B. „Ey, du Scheiße“, „Pisser“ und „Ficker“).

Besonders Beschimpfungen und Schubsen von anderen konnte ich jeden Tag mehrmals beobachten. Insgesamt war auffällig, dass etwa 80-90 Prozent der Aggressionen gegen die anderen Jungen aus dieser kleinen Gruppe gerichtet waren. Dies zeigte für mich eine sehr starke Verbindung zwischen gleichzeitigem Täter- und Opfer-Sein.

Hasan*

Hasan* habe ich bewusst aus der Gruppe der älteren Jungen herausgegriffen, weil er viel weiter gehende, extremere Verhaltensweisen gezeigt hat, die in den anderen Gruppen nicht beobachtet werden konnten, insbesondere die Folgenden:

1. Hasan* hat kaum mit sich reden lassen. Hierzu gehörte insbesondere, dass er Betreuerinnen nicht respektiert und auch männliche Betreuer häufig ignoriert hat. Dies war bei den übrigen Jungen anders, die meist einsichtig waren, wenn man mit ihnen über ihr Verhalten gesprochen hat, und die Betreuerinnen gleichermaßen respektierten. Um mit Hasan* zu reden, musste man dabei sehr genau die Situation und die Art beachten, ansonsten brach er das Gespräch meist sofort ab.
2. Die Aggressionen waren bei Hasan* von einem wesentlich größeren Ausmaß als bei den anderen Jungen. Er hatte wenig Hemmungen auch wesentlich jüngere Kinder oder Mädchen körperlich anzugreifen und ihnen weh zu tun. Zudem hat er auch Betreuer und Betreuerinnen bedroht (beispielsweise mit Aussagen wie „das wirst du bereuen“ oder „ich mach dich tot“.) und vereinzelt sogar versucht sie körperlich anzugreifen.

In Auseinandersetzungen mit Hasan* wollte niemand, auch nicht die gleichaltrigen Jungen, verwickelt sein. Die Betreuer haben sich häufig schon im Vorfeld zurückgezogen und Abhilfe bei eskalierenden Situationen konnte meist nur der Betreuer Thomas durch reine physische Kraft schaffen, indem er Hasan* festgehalten hat. Alle Betreuer hatten anscheinend resigniert. Für mich war die Schwierigkeit der Situation eine wichtige Erfahrung, da mir bewusst wurde, wie wichtig die elterliche Erziehung ist, wie wichtig schon die vor-schulischen Lernprozesse in dieser Erziehung sein müssen, und auch die Erkenntnis, dass die Einflussmöglichkeiten von Pädagogen in Schule und auch im Kindertagesheim beschränkt sind. Nach meiner Erfahrung im Kindertagesheim wird mit dem Älterwerden der Kinder diese Beschränkung des Einflusses immer größer. Daher denke ich, dass eine frühe pädagogische Betreuung von Kindern notwendig ist, um ihnen alternative Wege aufzuzeigen, die im Interesse der gesamten Umwelt und vor allem dem des Kindes selbst sind.

Sozialisationsfaktoren der Kinder außerhalb des Kindertagesheims

Es reicht nicht aus, nur die unmittelbare Situation der Kinder im Kindertagesheim zu beobachten und zu interpretieren, ohne dabei die außen stehenden Faktoren ihrer Sozialisation zu betrachten. Hierbei liegt das Augenmerk auf drei Sozialisationsbedingungen und zwar dem Einfluss von Familie, Peers und Medien.

Familie

Die Familie stellt die wichtigste Sozialisationsinstanz außerhalb von Schule und Kindertagesheim dar: „Es zeigt sich in den Analysen eine eindrucksvolle Bestätigung der Einflüsse familialer Sozialisation auf das Gewaltverhalten der Kinder in schulischen und außerschulischen Lebenszusammenhängen, wobei die verschiedenen Aspekte des Sozialisationsarrangements auf unterschiedliche Formen des Gewaltverhaltens spezifische Wirkungen zeigen.“ Auch die Forschungsgruppe Schulevaluation stellt fest: „Auch der Zusammenhang von Familie und Gewalt ist vielfach untersucht und die Forschungslage eindeutig: Daß die familiale Sozialisation ein Risiko- und damit gleichzeitig ein protektiver Faktor im Feld des Gewalthandelns von Kindern und Jugendlichen ist, daran kann nach Durchmusterung der relevanten Literatur keinerlei Zweifel bestehen.“
Da während meines Sozialpraktikums keine Möglichkeit bestand, um nähere Einblicke in die Familien zu bekommen, muss im Folgenden auf Beobachtungen während der Elternbesuche im Kindertagesheim und Erzählungen der Kinder zurückgegriffen werden. Die Beschreibung und Vermutungen, die aus meinen Beobachtungen resultieren, möchte ich hier auf die Frage begrenzen, ob der kulturelle Hintergrund der Familie für das Auftreten von aggressiven Verhaltensweisen eine Rolle spielt.
Tillmann stellt fest, dass die Mehrheit ausländischer Schüler in Deutschland aus einfachen sozialen Verhältnissen kommt, und somit ein pauschaler Vergleich zwischen deutsch und nicht-deutsch keine aussagekräftigen Ergebnisse einbringen würde. Weiterhin sagt er, dass aufgrund der großen ethnischen und damit auch kulturellen Heterogenität die einzelnen nationalen Gruppen zu klein für eine statistische Erfassung (im Rahmen seiner Untersuchungen) seien , aber „andere Untersuchungen zu diesem Thema mit vergleichbarer Datengrundlage (z.B. Fuchs 1997; Pfeiffer/Ohlemacher 1995) […] zu dem Ergebnis [kommen], dass das Gewaltverhalten der Schüler nur geringfügig mit ihrer Nationalität kovariiert, wenn andere sozialstatistische Daten (z.B. Geschlecht, soziale Herkunft etc.) kontrolliert werden.“ Somit ist die Aggressionsbereitschaft anscheinend vielmehr mit sozialen Faktoren als mit der Nationalität verknüpft.
Trotz dieser statistischen Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen Nationalität und Aggressionsbereitschaft, die auf keinen signifikanten Unterschied hindeuten, habe ich in meinem Sozialpraktikum doch wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen, was der kulturelle Hintergrund der Kinder für Auswirkungen mit sich bringen kann. Der Umgang mit ausländischen Eltern erwies sich als schwierig, besonders im Fall von Hasan*s Eltern. Es traten unter anderem folgende Merkmale auf, die zu Problemen führten:

* Der Vater war alleiniges Familienoberhaupt und damit der einzige Entscheidungsträger.
* Der Vater hat ganztägig gearbeitet, so dass seine Frau Hasan* abholte. Wenn der Vater ins Kindertagesheim kam, schien er desinteressiert am Geschehen zu sein.
n Der Vater sprach kein Deutsch.
* Hasan* stand in der Familienhierarchie über der Mutter, die ihn im Kindertagesheim abholte. Seine Mutter sprach zwar gebrochenes, aber durchaus verständliches Deutsch, wollte aber zu bestimmten Geschehnissen nicht Stellung nehmen.
* Aufgrund der patriarchalischen Familienhierarchie, mit der Hasan* aufgewachsen ist und in der Frauen an unterster Stelle stehen, hat er gegenüber Frauen keinerlei Respekt entwickelt. Dadurch hatten die Betreuerinnen Probleme im Umgang mit Hasan*, zum Teil in erheblichem Maße.
* Aggression war in der Familie anscheinend ein legitimes Mittel um sich durchzusetzen. Aus Gesprächen mit anderen Betreuern und auch mit Hasan* selbst über seine Familie wurde klar, dass Gespräche in der Familie anscheinend nur über familienexterne oder organisatorische „Probleme“ stattfanden.

Peers

Unter Peers wird eine Gleichaltrigengruppe verstanden, die gleiche Interessen teilt, und hierzu, ohne Dominanz oder unnötigen Streit untereinander, gemeinsame Handlungspläne erstellt. Bereits ab dem 10. Lebensjahr fangen Kinder an zwischen Freundschaften, die auf gegenseitiger Unterstützung und Vertrauen basieren, und bloßen Bekanntschaften zu differenzieren. Besondere Bedeutung gewinnen ab dem 15. Lebensjahr die „Cliquen“. Hier finden die Jugendlichen zum einen ein Gefühl der Solidarität und des Rückhalts, andererseits müssen sie sich, anders als in der Familie, ihren Status durch Leistung selbst erarbeiten. Die Jugendgruppe dient hierbei allgemein zur Orientierung und hat dabei wesentlichen Einfluss auf das Arrangieren eines eigenen Lebensstils, das spätere Zurechtfinden in der Erwachsenenwelt und die politische Sozialisation, zunächst im kleinen Rahmen. Die Jugendlichen finden weiterhin eine Solidargemeinschaft mit gleichen Problemen, die sie in gemeinsamer Interaktion bewältigen können, wie Pubertät, kognitive und emotionale Entwicklung, Ausbildungserfahrungen und Identitätsfindung mit beginnender Selbstreflexion. Hierbei besteht eine Komplementarität zwischen Elternhaus und Peers als Erfahrungsräume und als Teile des Unterstützungsnetzwerkes. Die Forschungsgruppe Schulevaluation weist aber unter Bezug auf Bronfenbrenner (1976) darauf hin, dass die „Bindung an Gleichaltrige eher von mangelnder Aufmerksamkeit und Beachtung im Elternhaus als von irgendeiner Anziehungskraft der Kameradengruppe selbst abhängig zu sein“ scheint. Weiter heißt es: „Die emotionale Reproduktion in der Familie, die ausbildungs- und berufsbezogenen Stützleistungen, Bestärkungen und Ratschläge von Eltern sind nicht durch unverbindliche Hinweise oder einen Austausch mit Gleichaltrigen zu ersetzen. Die filiationistische Liebe scheint einstweilen noch verlässlicher, ermöglicht erst die sukzessive Ablösung vom Elternhaus und hilft, emotionale Rückschläge bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zu verarbeiten.“
In Bezug auf Hasan* hat eine erfolgreiche Peer-Sozialisation bisher nicht stattgefunden, er würde aber sehr gerne zu einer festen Gruppe Gleichaltriger gehören. Beobachtungen zeigen eine wiederkehrende Bemühung von Hasan* einer Gruppe zugehörig zu sein. Er verfolgt dabei aber anscheinend die Idee sich eine Gruppe „anzueignen“, die ihm als Anführer folgt. Ihm untergeordnet zu sein wird aber von den Gleichaltrigen nicht akzeptiert. Die Regeln, nach denen sich die anderen Gleichaltrigen zu Gruppen zusammenschließen, nämlich im Idealfall unter der Voraussetzung vom gleichen Status der Mitglieder ohne Dominanz eines Einzelnen, Abstimmen von gemeinsamen Handlungen und des Vermeidens von unnötigem Streit, werden von ihm nicht erkannt oder nicht akzeptiert.
In meinem Praktikum hatte ich leider noch nicht genügend Distanz zum Geschehen, um zu erkennen, dass Hasan* in dieser Hinsicht etwas sucht und braucht. Die nachträgliche Erkenntnis, dass sein Handeln durch dieses Bedürfnis motiviert war und er nicht, wie zuvor wahrgenommen, anderen nur Schlechtes antun wollte, ist für mich ein wichtiges Moment meiner pädagogischen Erfahrung gewesen. Damals hätte ich Maßnahmen ergreifen sollen, um ihn in seiner sozialen und emotionalen Notlage zu unterstützen.

Medien

Die Medien, insbesondere elektronische, gewinnen immer mehr an Bedeutung im Alltag. Die Forschungsgruppe Schulevaluation ist in einer Untersuchung in Sachsen zu dem Ergebnis gekommen, dass Kinder und Jugendliche dort werktags etwa drei und am Wochenende etwa viereinhalb Stunden täglich vor dem Fernseher verbringen. Sie stellt weiterhin fest, dass die Sehdauer am stärksten mit der Befürwortung von Aggressionen korreliert, dagegen konfliktkompetente Schüler eine unterdurchschnittliche Sehdauer aufweisen.
Da es im Kindertagesheim keinen Fernseher, sondern nur ein Videospiel-Gerät gab, wird hier nicht weiter auf Ergebnisse dieser Untersuchung eingegangen. Stattdessen wird die eigene Erfahrung mit dem Umgang und der beobachteten Wirkung des Videospiels in den Vordergrund gestellt.
Die Nutzung des Geräts (Playstation) war eingeschränkt auf einen Nachmittag pro Woche, einmal nur für Mädchen und ein anderer Tag nur für die Jungen. Es wurden allerdings manchmal Ausnahmen gemacht, z.B. bei schlechtem Wetter oder wenn sich jemand den Fuß verletzt hatte. Nach meiner Beobachtung wollten alle Kinder immer gerne an dem Videospielgerät spielen, allerdings schien es Hasan* und der Gruppe von älteren Jungen noch wesentlich wichtiger zu sein als den anderen. Offensichtlich aggressive Spiele waren nicht vorhanden. Von den Jungen und Hasan* wurde fast ausschließlich ein Spiel gespielt, in dem auf einem Skateboard über verschiedene Parcours gefahren werden sollte. Einer der Jungen erreichte fast immer die höchste Punktzahl, woraufhin die anderen bald nicht mehr spielten, um Punkte zu machen, sondern um spektakuläre Unfälle zu inszenieren. Da dies durchaus möglich war und auch zu Blutspritzern und Schmerzausrufen im Spiel führte, war es das aggressivste verfügbare Spiel. Eine Steigerung der Aggression nach dem Spielen konnte ich nicht beobachten. Somit ist es für mich fraglich, ob das Spiel als Aggressionsauslöser gesehen werden muss oder ob nicht vielmehr die vorhandene Aggression zum Verhalten im Spiel geführt hat.
Vor diesem Hintergrund werden im folgenden Kapitel pädagogische Handlungsperspektiven zur Bildung konkreter Strategien gegen Aggression entwickelt.

*Name redaktionell geändert

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2 Kommentare zu Gewalt im Kindertagesheim

  1. johannes hartmann sagt:

    Tja ja di Medien. Der Teil dieses Textes, der dieses Thema behandelt, ist ebenfalls sehr interessant. Vor allem weil diesmal die bösen Killer Spiele als mögliche Ursache für gewalttätiges und agressives Verhalten der Jugendlichen mehr oder weniger stark/eindeutig ausgeschlossen werden. Ganz im Gegenteil sogar: Es wird in Erwägung gezogen, dass das (mehr oder weniger stark) agressive Spiel als Ventil für die eigene Agression fungiert. Das ist mal eine schöne Alternative zum andauernden Streit, ob nun Killer Spiele Gewalt auslösen oder nicht.

    Mfg Johannes Hartmann

  2. johannes hartmann sagt:

    Ich habe den text „Gewalt im Kindertagesheim“ gelesen.

    Zum Thema „Medien“, welches in diesem Text ebenfalls behandelt wird, ist mir folgendes erfreuliches aufgefallen:

    Das von den Jugendlichen gespielte, mehr oder weniger aggressive Spiel wird hier nicht als Auslöser/Ursache von gewalttätigem und agressivem Verhalten der Jugendlichen (an-)gesehen. Vielmehr vermutet die Autorin des Textes, dieses Spiel fungiert als eine Art „Ventil“, um die vorhandene eigene title=“Aggression „> loszuwerden, ohne jemanden zu verletzen.

    Das ist eine gute Alternative und auch eine schöne Abwechslung zu der ewig währenden Diskussion, ob Killerspiele (so sie denn wirklich existieren) Gewalt auslösen oder nicht.

    Sehr schön 😀

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